Positionspapier des
Landesverbandes Thüringer Schafzüchter e.V. zu seiner
Mitgliederversammlung, am
14. April 2012 in Bösleben
An den Minister für Landwirtschaft, Forsten,
Umwelt und
Naturschutz,
Herrn Jürgen Reinholz
Besorgniserregend für unseren Berufsstand ist der Rückgang von 2010 zu 2011, der mit rund 48 Tausend Schafen insgesamt und 17 Tausend weiblichen Schafen zur Zucht als dramatisch einzuschätzen ist. Hält dieser Bestandsabbau weiter an, sehen wir die Gefahr, dass die extensive Nutzung auf einem beachtlichen Teil des Grünlandes nicht erhalten werden kann. Das heißt, eine der wesentlichen Aufgaben der Schafhaltung, die Pflege des extensiven Grünlandes und der Kulturlandschaft ist zukünftig in Frage gestellt.
Vorstand und Beirat des Landesverbandes bekräftigen ihre Bereitschaft gemeinsam mit den Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft alles zu unternehmen, das zu einer Bestandsstabilisierung beiträgt. Die Voraussetzungen dazu sehen wir in der Umsetzung folgender Forderungen:
- Existenzsicherung für unsere
Schafhalter
Diese sollte unterstützt werden durch:
1.1 Praxistaugliche
Verwaltungsvorschriften für die Beantragung der
Flächenprämie.
1.2 Fortführung der KULAP- Förderung nach 2013, insbesondere für die Hüteschafhaltung.
Die Veränderung
der
Fördervoraussetzungen im laufenden KULAP für 2012 mit der
Definition von
Landschaftselementen und zur geänderten Abgrenzung der diffusen
Verbuschung und
deren zeitlich sehr späte Veröffentlichung ist für die
Thüringer Schafhalter
eine äußerst unbefriedigende Lösung, die zum
Flächenverlust, auch von
artenreichem Grünland führen wird.
Die Methode zur Ermittlung und Abgrenzung von zusätzlichen
Landschaftselementen
ebenso wie der diffusen Verbuschung ist sehr komplex und für
größere Flächen
unpraktikabel.
Gemeinsam mit der Thüringer Bauernverband fordern wir, dass für die Teilflächen, die in diesem Jahr als verbuschte Flächen auszugrenzen sind, die jedoch bis zur Antragstellung 2013 bereinigt werden, der Genehmigungsbestand erhalten bleibt.
1.3 Wiedereinführung
einer gekoppelten Zahlung von
ca. 20 bis 25 Euro je Mutterschaf.
Der Entwurf der Direktzahlungsverordnung (Art. 38 – 41)
ermöglicht den
Mitgliedsstaaten, die für aufgelistete Sektoren und Erzeugungen
gekoppelte
Stützungen zu gewähren, wenn folgende Voraussetzungen
erfüllt sind:
- spezielle Landwirtschaftsformen bzw. Agrarsektoren befinden sich in
Schwierigkeiten und
- ihnen kommt aus wirtschaftlichen, sozialen und/oder ökologischen
Gründen eine
ganz besondere Bedeutung zu.
Wir sind der Überzeugung, dass eine Form der gekoppelten Zahlung
für Schafe,
den weiteren Bestandsrückgang aufhalten kann.
1.4 Sicherung
der Hofnachfolge
Die Einkommenssituation in der Schafhaltung ist gemessen an anderen
Zweigen der
Landwirtschaft unbefriedigend. Die Verbesserung der Einkommen der
Schafhalter
ist eine der wesentlichen Grundlagen, jungen Menschen Perspektiven
aufzuzeigen
und damit die Probleme des Berufsnachwuchses in der Schafhaltung zu
verbessern.
2.
Förderung der Leistungsprüfung und der Zuchtarbeit
An alle Nutztiere werden hohe Anforderungen gestellt. Diese
beziehen
sich nicht nur auf die Tierleistungen und die Produktqualität,
sondern ebenso
auf Bereiche wie Vitalität, Tiergesundheit, Sozialverhalten und
Erhaltung
tiergenetischer Ressourcen.
Eine effektive Zuchtarbeit ist die Grundlage zur Erhaltung und
Verbesserung des
genetischen Potentials unserer Nutztiere.
Dazu unsere Forderungen:
2.1
Erhalt der
Leistungsprüfungsanstalt (LPA) für Schafe in Weimar-
Schöndorf als Zentrum für die
Thüringer Schafzucht und als Aus- und Weiterbildungsstätte.
Die LPA in Weimar-Schöndorf ist für die Thüringer
Schafzucht von zentraler
Bedeutung:
- für die Prüfung von jährlich rund 400 Lämmern im
Rahmen der Mast- und
Schlachtleistung
- für die Aufzucht und die Eigenleistungsprüfung von mind.
300
Zuchtbockanwärtern der Wirtschaftrassen unter einheitlichen
Bedingungen.
- für die Durchführung von Fütterungsversuchen,
- für die überbetriebliche Lehrlingsausbildung
- die Durchführung von Weiterbildungsveranstaltungen, von
- Kör-, Prämierungs- und Absatzveranstaltungen
2.2 Weitere Unterstützung der Zuchtarbeit im Landesverband Thüringer Schafzüchter
2.3 Erhaltung und Unterstützung der Arbeit des Kontrollringes für Mastlämmer über die GAK
2.4 Beibehaltung der personellen Unterstützung der Zuchtarbeit durch Mitarbeiter der TLL
Sehr geehrter
Herr Minister Reinholz,
in der Umsetzung der genannten Schwerpunkte sehen wir
Möglichkeiten, dem
rapiden Bestandsrückgang Einhalt zu gebieten und die Situation der
Schafhalter
zu verbessern mit dem Ziel, auch zukünftig den Aufgaben der
Schafhaltung in
Thüringen, der Pflege der Kulturlandschaft und der
ökologischen Produktion von
Lammfleisch, gerecht zu werden.
Jens- Uwe Otto Bösleben, 14. April 2012
Vorsitzender